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Ratgeber
Eine Permakultur selber Planen – der 8 Schritte Plan

Eine Permakultur selber Planen – der 8 Schritte Plan

Der Begriff Permakultur ist in aller Munde. Ein naturnahes System, mit hohen Erträgen und großer Vielfalt – es klingt nicht nur gut, sondern bietet eine der nachhaltigsten Methoden den eigenen Garten zu nutzen. Dabei ist es gar nicht so einfach zu verstehen, was genau dahinter steckt. Wer sich zu dem Thema einliest, wird schnell mit unzähligen Konzepten überschüttet. Wie du eine Permakultur aufziehen kann und worauf dabei zu achten ist, erklären wir dir ausführlich in der folgenden Anleitung. Schritt für Schritt und einfach erklärt. Diese Schritte können an jeden Garten individuell angepasst werden und bieten dir somit eine passende Anleitung!

Plan einer Permakultur zeichnen
Eine Karte dient meist als Grundlage

Was ist eine Permakultur überhaupt?

Waldgarten, Hügelbeete, Pflanzgilden – überall hören wir unterschiedliches darüber, was nun eine Permakultur ausmacht. Dabei zeigt das Wort allein schon worum es geht: vom englischen Wort permaculture (permanent agriculture) abgeleitet steht es für permanente Landwirtschaft. Mit permanent ist dabei nicht nur gemeint, dass das Land ununterbrochen, sondern auch nachhaltig genutzt wird. Anders als bei herkömmlicher Landwirtschaft, muss hier nicht im großen Maße zugedüngt oder mit Pestiziden gearbeitet werden. Stattdessen wird versucht natürliche Symbiosen, also Wechselwirkungen zum Beispiel zwischen verschiedenen Pflanzen, zu nutzen. So können beispielsweise Pflanzen mit hohem Stickstoffbedarf, besser wachsen, wenn sie neben Hülsenfrüchten stehen, welche Stickstoff im den Boden binden. Auf mineralischen Stickstoffdünger kann verzichtet werden.

In der Permakultur versuchen wir so viele solcher Symbiosen wie möglich zu nutzen und ein möglichst eigenständiges System zu schaffen. Das betrifft nicht nur Pflanzen sondern alles was sich im Garten befindet.

Symbiosen nutzen und integrieren

Neben diesem Ansatz gibt es noch viele weitere Leitlinien, an denen man sich als angehender Permakulturist orientieren kann. Eine gute Zusammenfassung der Grundlegenden findet man in dem Werk „Permakultur – Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen“ von David Holmgren, einem der Begründer der Permakultur. Das Buch ist sehr zu empfehlen. Du kannst es hier erwerben: https://amzn.to/3mUDPvI *

Die 12 Gestaltungsprinzipien der Permakultur

Die 12 Prinzipien, die Holmgren zusammengefasst hast, haben wir dir hier zusammengefast. Sie dienen dir als Orientierungshilfe und sind nicht als feste Regeln zu verstehen.

Äpfel pflücken Permakultur
Die Ernte ist ein wichtiger Punkt einer Permakultur

Wie beginne ich die Planung der Permakultur?

Erstmal ganz wichtig: Es gibt keinen genauen Bauplan! Eine perfekte Permakultur gibt es daher natürlich auch nicht. Du kannst es dir eher wie eine Puzzlekiste vorstellen, aus welcher du die für dich passende Teile herausnehmen kannst. Jeder Garten ist anders und so wird auch die Permakultur in jedem Garten anders aussehen.  Jedoch gibt es eine Reihe von Schritten, die dir helfen, deine Permakultur zu planen. Diese Schritte möchten wir dir jetzt näher erklären.

Möchtest du dir die Infos als ausführliche Podcast Folge anhören, dann haben wir all das und noch einige Punkte zusätzlich in unserem Podcast „keep it grün“ zusammengefasst.

Schritt 1: Bedingungen feststellen

Um die Pflanzen, Tiere und die allgemeine Gestaltung gut an die Fläche anpassen zu können ist es wichtig, sich der dort herrschenden Bedingungen klar zu werden. Es heißt also so viele Daten wie möglich zu sammeln. Du solltest die Fläche sehr gut in allen Jahreszeiten kennen und dir auch bewusst sein, was diese Daten für die Planung deiner Permakultur bedeuten. Das alles sollte zudem festgehalten und dokumentiert werden. Mehr dazu aber jetzt hier:

Die Skizze

Zunächst ist es wichtig, den eigenen Garten zu skizzieren: Gibt es ein Gefälle, große Steine oder Mauern? Welche Bäume oder Sträucher gibt es bereits? Am besten zeichnest du das ganze auf, so behältst du den Überblick über deine Planung. Auf dieser Skizze kannst du dann die komplette Planung durchführen. Um den Garten auszumessen, kann Google Maps dabei sehr hilfreich sein. Dort kannst du dir dein Grundstück heraussuchen, das Bild davon speichern und darauf die Skizze anfertigen. So hat man direkt die richtigen Proportionen parat. 

Permakultur planen Zeichnung
Auch eine Skizze per Hand ist eine gute Möglichkeit

Sonneneinstrahlung

Wir wollen die Sonne, wie auch alles andere, so effizient wie möglich nutzen. Daher ist es gut zu wissen, wann sie von wo scheint. Hier sind besonders die Sonnenauf- und untergänge zur Winter- und Sommersonnenwende (21. Juni & Dezember) wichtig. Markiere sie dir die auf der Skizze. So weißt du immer gleich welche Gebiete viel, und welche wenig Sonne abbekommen. Ein Tool was dir hilft genau das zu erfahren ist: https://www.sunearthtools.com/dp/tools/pos_sun.php?lang=de

sonne aufgang und untergang Permakultur
Her sieht man die Sonneneinstrahlung im Sommer (21.06.)

Temperatur

Ähnlich wie Sonne, bestimmt die Temperatur, welche Pflanzen bei dir wachsen können – nicht jede Pflanze überlebt den Frost, während er für andere sehr wichtig ist. So zum Beispiel Apfel- und Kirschbäume. Für Wetterdaten deiner Region kannst du zum Beispiel hier nachschauen: https://de.climate-data.org/europa/

Niederschlag

Was brauchen alle Pflanzen zum wachsen? Richtig, Wasser. Daher ist es gut zu wissen, wie viel es im Jahr in deinem Garten regnet. Besonders wenn du planst nicht zu gießen, hat das einen Einfluss darauf, welche Pflanzen du bei dir anpflanzen kannst. Wenn du planst mit der Gießkanne tätig zu werden, brauchst du natürlich eine Wasserquelle. Wir wollen tunlichst vermeiden, Wasser aus der Leitung dafür zu benutzen. Das ist schlecht für die Umwelt und deinen Geldbeutel. Wenn es eine Regenrinne in Reichweite gibt, nutze sie! Plane ausreichend Wasserspeicher ein, aber vergiss nicht einen Überlauf einzuplanen. Sonst kann dir dein Garten bei Starkregen schnell ertrinken.

 

Vielleicht kennst du deinen Garten bereits so gut und weißt wo die Sonne aufgeht und wie viel es regnet. Trotzdem kann es hilfreich sein, sich das Ganze noch einmal vor Augen zu führen. 

Generell gilt: Desto mehr Daten du in die Planung einbeziehst, desto besser.

Klima Permakultur planen
Ein Klimadiagramm gibt Aufschluss über viele Punkte

Was möchte ich in meiner Permakultur?

Hier beginnt der spaßige Teil! Vielleicht bist du schon über einige Konzepte gestolpert, welche oft in Permakulturen genutzt werden. Hügelbeete, Waldgärten und Teichsysteme. Wenn es etwas gibt, was du unbedingt dabei haben möchtest – jetzt ist der Moment. Natürlich ist es dann wichtig zu prüfen, wo es in deinem Garten möglich ist.

Wo kann ich was platzieren?

Schau dir auf der Skizze genau an wo die Konzepte die du möchtest es am besten in deinen Garten passt. Einen Waldgarten (oder Food Forest) würde ich beispielsweise eher im Norden pflanzen, damit er keine langen Schatten auf den Rest des Projektes wirft. Ein Gewächshaus eignet sich vor allem da, wo es natürliche Wärmefallen wie eine massive Steinmauer gibt. Hierfür ist aber auch viel direkte Sonne nötig. Willst du auch Hühner haben, kann es helfen, den Hühnerstall an das Gewächshaus zu bauen, damit die Hühner helfen das Gewächshaus im Winter warm zu halten. Ein Teich im Süden kann helfen wichtige Wintersonne in das Gewächshaus zu reflektieren. Du siehst, im Handumdrehen haben wir drei Komponenten gefunden, die das Gewächshaus unterstützen.

Wir versuchen uns dabei, so gut wie möglich an deinem Garten anzupassen und, wenn möglich bereist stehende Bäume zu integrieren. Sind sie jedoch sehr störend, tragen wenig Früchte und blockieren die Sonne solltest du dir überlegen, ob du sie nicht besser entfernen möchtest.

Urban Gardening Permakultur selber planen

Was passt noch in meine Permakultur?

Jetzt kommt der spannendste Schritt: Wo gibt es noch weiße Flecken auf der Skizze und wie kann ich sie nutzen? Hier kannst du sehr kreativ sein. Wichtig ist hier, dass wir immer versuchen möglichst viele Komponenten miteinander zu verbinden und alle ungenutzen Flächen zu besetzen. Häufig hilft es mit der Skizze durch den Garten zu laufen und sich vorzustellen, was wo steht. Gibt es noch ungenutzte Wandfläche? Da passen Kletterpflanzen hin! Gibt es ein eingepfercht Stück, das komplett im Schatten liegt? Denke über eine Pilzzucht nach! Im Hühnerauslauf wächst nur Gras? Pflanz ein paar essbare Sträucher für deine Schützlinge oder lasse Wein an einem Pergola darüber wachsen.

Zur Anregung kann es helfen, wenn du dir existierende Permakultur Systeme anschaust oder durch ein paar Permakulturbücher blätterst. Aber vielleicht entdeckst du auch selbst etwas Neues! In dem Fall, lass es uns bitte wissen! 🙂 

Hier ein paar Anregungen, für dich:

  • Wassergräben (engl. Swales): besonders bei größeren Projekten helfen sie Errosion zu vermeiden und Wasser effektiv in deinen Boden zu leiten
  • Wurmkomposter: erzeugt einen sehr potenten Dünger
  • Teich: Wurde zwar schon genannt, aber wusstest du, dass es essbare Wasserpflanzen gibt?
  • Kletterpflanzen: Wunderbar um Wänden oder Baumstämme lebender Bäume hoch zu wachsen.
  • Hochbeete: Hilfreich vor allem, wenn du dich nicht immer bücken möchtest
Raupen Kapuzinerkresse
Auch an Schädlinge kann man seine Kultur anpassen

Die Permakultur an die Begebenheiten anpassen

Es kann sein, dass du viel zeichnen und radieren musst. Denn oft kommt es nun vor, dass du einen besseren Ort für etwas gefunden hast, das so bereits platziert hast. Das ist überhaupt nicht schlimm, sondern gut! Es zeigt das du dabei bist, mit verschiedenen Blickwinkeln auf das Ganze zu schauen.

Deine Skizze hilft dir auch, einen guten Überblick zu behalten, nachdem du bereits angefangen hast es umzusetzen. Denn hier kann es immer wieder vorkommen, dass du nachträglich noch einiges ändern möchtest. Nicht alles funktioniert so, wie du es dir gedacht hast. Probieren geht über studieren. Sei daher immer offen für Veränderung.

Ganz wichtig: Hab Spaß an der ganzen Sache 🙂

Permakultur ist etwas, was du genießen solltest. Sei nicht zu streng mit dir, wenn mal etwas nicht so klappt wie du es dir gedacht hast. 

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