Hand hält Pflanzenkohle im Garten

Pflanzenkohle – alles was du wissen musst (Anleitung)

Pflanzenkohle, auch Biokohle genannt, bietet gerade für alle Gartenenthusiasten viele Vorteile. Egal, ob als Bodenaufwerter, Wasserspeicher oder sogar zum Binden von CO₂ für viele hundert Jahre – Pflanzenkohle ist ein Gamechanger im Garten. Was Pflanzenkohle genau ist, wie der Zusammenhang mit der berühmten Terra Preta ist und welche Vorteile sie dir in deinem Garten bietet, erklären wir dir ausführlich in dieser Anleitung. Hier findest du nicht nur spannende Tipps aus der Praxis, sondern auch das nötige Hintergrundwissen zu diesem doch komplexen Thema, einfach erklärt:

Pflanzenkohle Haufen
Ein Haufen Pflanzenkohle aus Kräutern

Was ist Pflanzenkohle?

Viele, die sich neu mit dem Thema Pflanzenkohle / Biokohle beschäftigen, fragen sich schnell: „Was ist eigentlich Pflanzenkohle?“. Um das Konzept und die Vorteile der Pflanzenkohle besser zu verstehen, ist es essenziell, diese Frage beantworten zu können. Um dir hier die Suche zu ersparen, möchten wir das schnell vorab klären:

Pflanzenkohle ist verkohlte Biomasse (hauptsächlich Pflanzenreste), die durch das Verbrennen unter Sauerstoffausschluss produziert wird. Im Gegensatz zur Holzkohle kommen dabei nicht nur Hölzer zum Einsatz, sondern alle möglichen Pflanzen und andere Biomassen. Diese fallen meist als Abfall an und sollten nicht extra dafür produziert werden. Das können Holz oder Stroh sein, aber auch Schnittreste, Nussschalen oder ausgefallenere Dinge wie Brotreste. Ein weiterer Unterschied zur Holzkohle ist, dass Pflanzenkohle nicht verbrannt, sondern als Bodenaufwerter in eben diesem genutzt wird.

Unterschied mit Pflanzenkohle und ohne
Aus einer Studie die wir zusammen mit der Uni Düsseldorf durchgeführt haben

Pflanzenkohle kann auch selber hergestellt werden

Hergestellt wird Biokohle zumeist in großen Pyrolyseanlagen, bei Temperaturen um die 600-700°C. Jedoch etablieren sich immer neue Methoden, und auch die private Herstellung ist nicht mehr unüblich. Die industrielle Herstellung ist zumeist sehr umweltschonend, da bei der Verkohlung sogenanntes Holzgas entsteht, welches dann die Energie für den Prozess liefert, sodass er sich schlussendlich selbst antreibt und zudem überschüssige Energie als Abwärme produziert, die zusätzlich genutzt werden kann. Ein bekanntes Beispiel sind die Anlagen der Firma Pyreg. Die produzierte Pflanzenkohle muss abschließend noch in etwa reiskorngroße Stücke zerkleinert werden, sodass sich die Oberfläche weiter vergrößert und das Beladen mit Nährstoffen und Wasser unproblematisch möglich ist.

Möchtest du eigene Pflanzenkohle herstellen, dann haben wir hier die perfekte Anleitung für dich: Pflanzenkohle in 3 Schritten selber herstellen.

 

bleibt Pflanzenkohle im Boden aktiv
> 0 Jahre

Der Unterschied zwischen Pflanzen- und Holzkohle ist also gar nicht so groß, die Verwendungszwecke könnten unterschiedlicher aber nicht sein. Mit dem Wissen, was Pflanzenkohle ist können wir euch also jetzt genau aufzeigen, welche Vorteile dieses Wundermittel für dich, die Umwelt und besonders deinen Garten hat.
Die Unterschiede zwischen Aktivkohle, Holzkohle und Pflanzenkohle haben wir dir hier erklärt: Die verschiedenen Kohlearten erklärt

Alles in einer Podcast Folge zusammengefasst

Wenn du dir alles zum Thema Pflanzenkohle komprimiert in einem Podcast von uns anhören möchtest, findest du die passende Folge hier:

Pflanzenkohle im Garten nutzen - so funktioniert es

Beginnen wir mit dem, für uns Gartenfreunde, sicherlich interessantesten Vorteil: Pflanzenkohle verbessert fast jeden Boden! Und das nicht nur kurzfristig, wie viele moderne Dünger, sondern langfristig und nachhaltig. Und das funktioniert so: Pflanzenkohle speichert Nährstoffe und hält diese im Oberboden, sodass sie der Pflanze bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt und nur schwer ausgewaschen werden können. Ein wichtiger Grund dafür ist die sehr große innere Oberfläche, welche selbst bei einem kleinen Stück bereits viele hundert Quadratmeter betragen kann.

Schaubild Pflanzenkohle Vorteile

Pflanzenkohle ist die Grundlage der Terra Preta

Halten kann die Kohle die Nährstoffe durch ihre funktionellen Gruppen, welche sich an dieser großen Oberfläche befinden. Das Ganze funktioniert also wie eine Art Nährstoff-Akku, der die Nährstoffe speichert und dann an die Pflanzen abgibt, sobald diese sie benötigen. So können Nährstoffe nicht ausgewaschen werden und stehen länger zur Verfügung. Dadurch musst du in deinem Garten weniger düngen, und der Ertrag ist in den meisten Fällen deutlich gesteigert. Wichtig ist es nur, „den Akku“, also die Pflanzenkohle, vor dem Ausbringen zu laden. Wie das geht und warum das so wichtig ist, erfährst du weiter unten ↓

Pflanzenkohle was ist das
Pflanzenkohle aus verschiedenen Pflanzenresten

Pflanzenkohle speichert auch Wasser

Doch was kann Biokohle im Garten noch? Neben den für die Pflanzen im Garten so wichtigen Nährstoffen speichert die Kohle in ihren Poren auch noch Wasser. Genau wie bei den Nährstoffen wird auch das Wasser dann an die Pflanze abgegeben, wenn sie es braucht. So bleibt der Oberboden länger feucht, da das Wasser weniger in tiefere Schichten sickert, wo es für die Wurzeln der Pflanze nur schwer zu erreichen ist. Das Ergebnis dessen ist, dass die Pflanzen in deinem Garten besser an die extremen Wetterereignisse der Klimakrise angepasst sind, und du auch im Sommer seltener gießen musst.

Pflanzenkohle in unserem Shop

Weniger Stress tut auch den Pflanzen gut

Sowohl die verbesserte Nährstoffversorgung der Pflanzen als auch die bessere Verfügbarkeit von Wasser sorgen dafür, dass die Pflanze weniger Stress ausgesetzt ist. Und das ist nicht nur bei Menschen sehr gesund, sondern auch bei Pflanzen. Durch die Stressreduktion kann sie sich besser gegen Krankheitserreger und Schädlinge zur Wehr setzen, was ebenfalls zu einem verbesserten Ertrag führt. Neben einem gesunden Garten ist das sicherlich eines der wichtigsten Ziele eines jeden Hobbygärtners. Auch der Befall durch Pilze kann durch die Pflanzenkohle deutlich gesenkt werden.

Ganz nebenbei ist die Pflanzenkohle auch für die Mikroorganismen im Boden ein Upgrade. Die vielen Poren bieten ihnen nämlich ein super Habitat. So führt das Einbringen der Biokohle zu einem gesunden Humusaufbau und einem nachhaltig guten Boden.

Holz für Pflanzenkohle
Das typische Ausgangsmaterial

Wie lange bleibt Pflanzenkohle im Boden?

 

Düngen muss man jedes Jahr, meist mehrmals. Wie lange also bleibt diese Pflanzenkohle im Boden? Gehen wir ein kleines Gedankenspiel durch, um die Ausmaße zu verdeutlichen. Holz, ein beliebtes Ausgangsmaterial für Pflanzenkohle, ist nach ca. 50-60 Jahren fast komplett abgebaut. Kohle bleibt jedoch oft über 1.000 Jahre im Boden und wird nur sehr, sehr langsam abgebaut. Grund dafür sind sehr stabile Kohlenstoffverbindungen. Auch die Temperatur, bei der die Kohle hergestellt wurde, hat hier einen großen Einfluss, da bei höheren Temperaturen auch die Zeit bis zum Abbau verlängert wird (Kohle, die bei 450°C hergestellt wurde, ist weniger stabil als eine bei 750°C hergestellte Kohle).

Man sollte sich also gut überlegen, welche Kohle man einbringt, da dieser Vorgang irreversibel ist, und z.B. Schwermetalle bei der Verkohlung erhalten bleiben, auch wenn die Pflanzenkohle diese gut speichert.

Mit Pflanzenkohle die Umwelt schützen

Neben all den bodenverbessernden Eigenschaften hat die Pflanzenkohle auch noch einen weiteren Vorteil, der besonders für das Klima sehr positiv ist. Ein Kilogramm Pflanzenkohle entspricht nämlich etwa einem Äquivalent von über 3 Kilogramm CO₂. Man speichert also mit dem Einbringen der Pflanzenkohle in den Boden dauerhaft CO₂ und zieht es aus der Atmosphäre, wo es als Treibhausgas einen sehr großen Anteil am Klimawandel hat. Würde man es als z.B. Holz einfach verrotten lassen, ist 90% des Kohlenstoffs bereits abgebaut.

Allerdings sollte für die Herstellung, egal ob privat oder industriell, natürlich nur die Biomasse genutzt werden, die ohnehin als Abfall anfällt. Also Schnitt- und Holzreste, die ansonsten z.B. verbrannt würden.

abbau diagramm Holz und Biokohle
Was sollte man beim Einbringen von Pflanzenkohle beachten?

Was sollte man beim Einbringen von Pflanzenkohle im Garten beachten?

Kurz vorweg, wie man Pflanzenkohle genau in sein Beet einbringt und was man dabei beachten sollte, erklären wir euch in einem anderen Beitrag ausführlich (Pflanzenkohle mit Nährstoffen aufladen [Anleitung]). Aber trotzdem gibt es ein paar sehr wichtige Punkte, die ihr dabei unbedingt beachten müsst, die wir euch hier schon einmal erklären möchten.

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Wir haben euch ja bereits weiter oben erklärt, dass die Pflanzenkohle wie eine Art Akku arbeitet, der Nährstoffe speichert. Nun sollte man diesen Akku allerdings laden, bevor man ihn in den Boden bringt. Sonst könnte es nämlich dazu kommen, dass die Kohle die Nährstoffe aus dem Boden zieht und dieser speichert. Das wiederum kann dann im ersten Jahr negative Folgen für die Pflanzen haben. Man muss die Pflanzenkohle also vorher mit Nährstoffen, z.B. Kompost, „laden“. So erhält man bereits eine Art Terra Preta, die in den Boden eingebracht werden kann. Auf die genau Mischung, gehen wir in diesem Beitrag genau ein: Terra Preta aus 5 Zutaten selber herstellen

Unterschied Pflanzenkohle und ohne
Anwendung der Pflanzenkohle in einer Permakultur

Ein paar weitere Tipps von uns zum Abschluss:

Pflanzenkohle kann aber auch Nachteile für deinen Garten haben. Worauf du hier achten solltest, um diese Nachteile zu umgehen, das haben wir dir in dem folgenden Ratgeber genau erklärt: 2 große Nachteile der Pflanzenkohle

Falls du uns Feedback oder eine Frage übermitteln möchtest, geht das am besten per Mail an info@keep-it-gruen.de oder bei Instagram per DM (@keepitgruen).

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