Apfelbaum Gilde in der Permakultur

Eine Apfelbaumgilde selbst anlegen – so geht´s

Wer sich schon einmal in der Natur, in den Gärten anderer oder in Permakultur-Projekten umgesehen hat, wird vielleicht bemerkt haben, dass sich unter bestimmten Bäumen hin und wieder dieselben Pflanzen finden lassen können. Oft stecken hinter diesem Phänomen natürliche oder künstlich geschaffene Symbiosen zweier oder mehrerer Pflanzenarten. Baumgilden sind eben solche Pflanzengemeinschaften, die um einen zentralen Obst- oder Nussbaum herum angelegt werden und eine zentrale Rolle in der Permakultur spielen. Woraus genau sie bestehen, wie du dir deine eigene Apfelbaumgilde rund um deinen Apfelbaum legst und worauf du dabei achten solltest, erfährst du hier!

Was ist eine Baumgilde in der Permakultur?

Eine Permakulturgilde oder Baumgilde beschreibt eine Gemeinschaft von verschiedensten Pflanzengattungen, die um einen Baum herum wachsen und diesen unterstützen. Sie besteht also aus einem zentralen Baum und mehreren sogenannten Förder- oder Unterstützungspflanzen. Diese sind dafür da, den Baum besonders in seinen ersten Jahren zu schützen und unterstützen, in dem sie verschiedene Funktionen abdecken. Eine Baumgilde ist also ein kleines Mikroökosystem, mit der Funktion, dem Baum auf natürliche Weise beim Wachstum und der Maximierung von Erträgen zu helfen. 

Ziele und Vorteile einer Baumgilde

Warum solltest du überhaupt eine Permakulturgilde um einen Baumsetzling pflanzen? Zum einen sind Bäume besonders zu Beginn anfälliger für Krankheiten und auch die Nährstoffkreisläufe im Boden sind noch nicht optimal. Dem kann man durch das geplante Setzen von Gilden entgegenwirken und den Baum durch die richtige Auswahl der helfenden Pflanzen schützen. Eine Gilde orientiert sich auch immer an Symbiosen, die in der Natur vorkommen, mit dem besonderen Merkmal, dass die Pflanzen gegenseitig voneinander profitieren. Setzt du also eine funktionierende Gilde um deinen Baum, kannst du so die besten Bedingungen für sein Wachstum schaffen und hast potenziell mehr zu Ernten. In der Permakultur wird diese Strategie schon lange genutzt, mitunter weil sie eine natürliche Baumpflege fördert und für alle beteiligten Pflanzen vom Vorteil ist.

Mit einer klug gesetzten Baumgilde kannst du dir von den Förderpflanzen viel Arbeit abnehmen lassen, zum Beispiel das Düngen mit Pestiziden oder Gras aus der Nähe des Baumes fernzuhalten. Der Baum profitiert durch sein natürliches Umfeld und du hast weniger Arbeit und weniger Kosten!

Äpfel pflücken keep it grün

Förderpflanzen und ihre Funktionen

Die Pflanzen, die du in eine Baumgilde einsetzt, können verschiedene Aufgaben übernehmen. Lupinen, Erbsen, Bohnen und Klee zum Beispiel können Stickstoff sammeln und so Nährstoffe fixieren, also den Boden auf natürliche Weise aufwerten. Sogenannte Bodendecker, beispielsweise die Gundelrebe, Kapuzinerkresse, Rotklee oder Erdbeeren, dienen als Schutz vor der Austrocknung des Bodens und verhindern Graswuchs unter deinem Baum. Außerdem sind sie hervorragende Mulch-Lieferanten, da sie Nährstoffe anreichern, die durchs Mulchen in den Oberboden gelangen können. Wie du in deinem Garten richtig mulchen kannst, erfährst du hier: Mulchen im Garten – So macht man es richtig.

Fenchel, Dill, Liebstöckel oder Bärenklau ziehen Nützlinge, zum Beispiel Bestäubungsinsekten, an, während Zwiebelgewächse und Meerrettich Pilzkrankheiten vorbeugen können. Beeren wie die Johannis- oder Stachelbeere, sind nicht nur gute Gildenpflanzen, sondern produzieren dazu auch noch leckere Früchte, die du ernten kannst. 

Es gibt sogar Pflanzen die Schädlinge wie Insekten oder manche Nagetierarten fernhalten können. Wie du siehst, haben viele Pflanzenarten unterschiedliches Potential und können in deiner Gilde verschiedenste Funktionen zum Schutz des Baumes übernehmen. Hier erklären wir euch nun die Permakulturgilde anhand der Apfelbaumgilde und zeigen euch auf, welche Pflanzen sich dafür am besten eignen.

Die richtigen Pflanzen für deine Apfelbaumgilde

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Folgende Pflanzen eignen sich für deine Apfelbaumgilde:

  • Knoblauch: Hat gleich drei potenzielle Funktionen. Hält Schädlinge, zum Beispiel Läuse und Motten, fern; er kann, pflanzt man ihn um den Apfelbaum herum, Gras fernhalten und außerdem geerntet und gegessen werden.
  • Oregano: Hält Schädlinge fern und ist durch seine Beschaffenheit „trittfester“ und widerstandsfähiger als Knoblauch. Zudem sehr ausladender Bodenbedecker und zieht mit seinen Blüten Bestäubungsinsekten an.
  • Narzissen: Pflanzt man Narzissen um den jungen Apfelbaum herum, können so größere Tiere wie Wühlmäuse durch die giftigen Knollen der Blumen abgeschreckt werden.
  • Klee / Weißklee: Binden Stickstoff im Boden und bedecken ihn. Sind dazu gut begehbar und gut für bestimmte Insekten, z.B. Hummeln.
  • Artischocke: Die Artischocke kann viel Biomasse für Mulch produzieren und ist eine sogenannte „Akkumulator-Plant“. Bedeutet, dass sie besonders tiefe Wurzeln hat und so Nährstoffe aus dem tiefen gelegenen Boden holen und verfügbar machen kann.
  • Kapuzinerkresse und Borretsch: Durch hohe Blatt- und Biomasse gute Mulch-Lieferanten. Zudem sind beide essbar, zum Beispiel im Salat. Borretsch lockt außerdem nützliche Insekten wie Bienen an. Wenn du wissen willst, wie du diese und andere Nützlinge außerdem in deinem Garten schützen kannst, schau in unseren Ratgeber dazu: 5 einfache Möglichkeiten Nützlinge im Garten zu unterstützen. 
  • Dill: Lockt Nützlinge wie Florfliegen und Marienkäfer an, die wichtig sind, um Läuse abzuhalten.
  • Minze & Petersilie: Diese beiden locken Schwebfliegen und Schlupfwespen an, die wiederum gut gegen Raupen, Läuse und Motten helfen können.

Im Idealfall wählst du Pflanzen, die dafür sorgen, dass keine Schädlinge an den Baum kommen, welche die Stickstoff im Boden binden und Beikräuter unterdrücken und solche, die nützliche Insekten anlocken. Auch Pflanzen, die man immer wieder rupfen kann, um Mulch zu haben sind empfehlenswert. Auch hier gilt die Faustregel der Permakultur: Ausprobieren, beobachten und anpassen. Da die Boden- und Standortbedingungen immer unterschiedlich sein werden, ist es empfehlenswert, sich danach zu richten und gegebenenfalls vorher eine Bodenprobe zu entnehmen. Hier kannst du nachsehen, wie du ganz einfach selber Bodenproben entnehmen kannst: Bodenproben selber nehmen & analysieren.

Apfelbaumgilde Aufbau
Vereinfachter Aufbau einer Gilde

Apfelbaumgilde: Schritt für Schritt Anleitung

Nachdem du nun geplant hast, welche Förderpflanzen du in deine Gilde setzen möchtest, ist es an der Zeit den Apfelbaum einzupflanzen. Ist dieser Schritt getan, kannst du die „Dripline“ ausmessen, also die Fläche, die die Baumkrone erreichen würde, wenn sie komplett ausgewachsen ist. Diesen Boden kannst du nun auf die Unterstützerpflanzen vorbereiten und entsprechend anreichern. Das geht auch ganz ohne Umgraben, zum Beispiel mit Kompost oder Mulch. Warum Umgraben schlecht für deinen Boden ist, kannst du hier nachlesen: Umgraben im Garten – 3 große Nachteile.

Apfelsorten gibt es in DE
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Ist der Boden angemessen vorbereitet, kannst du deine ausgewählten Pflanzen um den Apfelbaum einsetzen. Die Nachsorge besteht zum größten Teil aus beobachten und gegebenenfalls anpassen. Wird der Apfelbaum im Laufe der Zeit größer und wirft mehr Schatten, kann es sein, dass bestimmte Pflanzen in deiner Gilde nicht mehr so gut wachsen wie vorher. Das ist überhaupt nicht schlimm! Mit den Jahren wird der Baum stärker und widerstandsfähiger. Außerdem kannst du dich dann nach anderen Pflanzen umsehen, die besser mit schattigeren Standorten zurechtkommen, wie zum Beispiel Pilze oder Heilkräuter.

Unser Tipp: Wenn du bereits Apfelbäume im Garten stehen hast, schau nach, womit sie womöglich Probleme haben und wie deine Bodenbedingungen sind. Dann kannst du dir entsprechende Unterstützerpflanzen für deine Apfelbaumgilde aussuchen.

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